Ausstellung "Eine Republik rollt den Teppich aus - Staatsempfänge auf Schloss Augustusburg 1949 - 1996", Brühl

PRESSE-SPIEGEL / Kölner Stadt-Anzeiger, 11. März 2008




Auf den Spuren der Staatsgäste
VON BETTINA JOCHHEIM, 11.03.08, 19:36h

Brühl / Erftstadt - Eine Ausstellung in Brühl widmet sich den Empfängen in Schloss Augustusburg. Am 12. März wird die Ausstellung "Eine Republik rollt den Teppich aus" eröffnet.

Brühl / Erftstadt - Ihre Augen leuchten. Genau das hat Irina Schneider gesucht: Eine holländische Elektrolok aus der Baureihe 1200, die etwa 1965 gebaut wurde. So oder ähnlich wird der gusseiserne Lokomotivnachbau wohl ausgesehen haben, den der einstige Bundespräsident Gustav Heinemann der damaligen holländischen Königin Juliana bei deren Staatsbesuch im Jahre 1971 überreichte. Der Enkel - Kronprinz Willem-Alexander - sollte damit erfreut werden. Und eine solche Lok hat Irina Schneider nun in Erftstadt aufgetan, und zwar im Bestand des 85 Jahre alten leidenschaftlichen Eisenbahnsammlers Otto Straznicky.

Irina Schneider und Udo Richter gehören dem Stab von Christiane Winkler an, die seit Monaten eine große Ausstellung im Brühler Schloss Augustusburg vorbereitet. "Eine Republik rollt den Teppich aus - Staatsempfänge auf Schloss Augustusburg von 1949 bis 1996" lautet der Titel, den die Schlossverwaltung ihrer Schau gegeben hat. An Original-Schauplätzen stellen die Mitarbeiter nach, wo und wie die hohen Häupter einst empfangen wurden, wo sie speisten, plauderten, in langen Roben flanierten.

Geschenke ausgetauscht

Alle Gegenstände, die in irgendeiner Form bei den Staatsbesuchen eine Rolle gespielt haben und von den Ausstellungsmachern aufgespürt werden konnten, werden erneut im Schloss zu sehen sein: Porzellan, Kerzenleuchter, Tischwäsche, alte Dokumente, Fotos und Zeitungsartikel. "Die Besucher bewegen sich auf den Spuren der Staatsg”ste", sagt Projektleiterin Winkler. Mit Installationen des Kunstfotografen Ansgar Maria van Treeck sowie eingespielten Reden würden diese Wege zusätzlich erlebbar gemacht.

Bei diesen Besuchen wurden natürlich auch Geschenke ausgetauscht. Irina Schneider bekam den Auftrag, im Schloss einen Raum zu gestalten, in dem die Präsente stilvoll dargeboten werden sollen. Winkler war zuvor beim Auswärtigen Amt auf die Information gestoşen, dass auch die Kinder der Staatsgäste gelegentlich mit Geschenken bedacht wurden. Gerne griff man dabei auf berühmte deutsche Erzeugnisse zurück, wie etwa Stofftiere der Firma Steiff, oder Eisenbahnen von Märklin.

Eine solche Märklin-Eisenbahn soll nun im "Geschenke-Zimmer" aufgebaut werden. Vor wenigen Tagen reisten Winkler, Schneider und der Eisenbahnexperte Udo Richter zu Straznicky nach Erftstadt, um dessen imposante Sammlerstücke in Augenschein zu nehmen. Schnell waren sie sich einig, konnten sich mit dem 85-Jährigen sogar darauf verständigen, dass er eine komplette Eisenbahn-Anlage mitbringt und selbstständig aufbaut.

Mit der Amtseinführung von Theodor Heuss zum ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland begann für Schloss Augustusburg in Brühl eine fast 50-jährige Ära glanzvoller Staatsempfänge. Das prachtvolle Treppenhaus von Balthasar Neumann bildete dabei den festlichen Rahmen für das Defilee. Im Anschluss lud der Bundespräsident seine Gäste zum Staatsbankett in die angrenzenden Repräsentationsräume der einstigen Sommerresidenz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August. Oberhäupter wie beispielsweise die Königinnen Juliana, Elisabeth und Sylvia, das einstige katholische Kirchenoberhaupt Papst Johannes Paul II., der sowjetische Generalsekretär Leonid Breschnew und der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow sowie der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin genossen von den Schlossterrassen aus den Blick in den Park.

Die Ausstellung soll ernsthafte und vergnügliche Einblicke vor und hinter die Kulissen der Empfänge geben. Dabei folgt sie dem Weg des Staatsgastes durch das Schloss: Von der Anreise, der Vorstellung beim Defilee bis hin zum Staatsbankett und dem anschließenden Digestif in den Räumen des Sommerappartements.

In Gesprächen mit zahlreichen Zeitzeugen wurden viele interessante Geschichten rund um das Thema Staatsempfang erzählt, so Winkler. So wurde etwa der benachbarte Pfarrer mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt, weil der Bundespräsident und sein Gast in einen Bibeldisput verfallen waren und sich über eine Textstelle nicht einigen konnten, so dass das Protokoll umgehend eine Bibel zu besorgen hatte. Oder: Von einer wartenden Menschenmenge wurde Papst Johannes Paul II. mit einem Koch verwechselt, der ebenfalls weiß gekleidet war und somit nur knapp einem frenetischen Jubel entging.

Bleibt nur die Frage, ob Kronprinz Willem-Alexander jemals mit der Märklin-Lokomotive von damals gespielt hat und ob sie möglicherweise sogar noch in seinem Besitz ist.

Die Ausstellung ist von Mittwoch, 12. März, bis Sonntag, 10. August, zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und 13.30 und 16 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr. Montags ist die Ausstellung geschlossen.




© Ansgar M. van Treeck